Fotos vom Fahrradkorso 30.03.2019: Was hat Gedenken & Erinnern mit Stadtpolitik zu tun?

Bei frühlingshaften Temperaturen haben wir vom Berliner Netzwerk Zwangsarbeit/<Gedenkort Fontanepromenade 15> zusammen mit der Stadtteilinitiative WEM GEHÖRT KREUZBERG mit circa 50 Menschen am 30.03.2019 einen stadtpolitisch-antifaschistischen Fahradkorso anläßlich der Aktionswoche zum #Mietenwahnsinn durchgeführt, der uns zu verschiedenen Orten der Privatisierung und Spekulation mit Immobilien und Freiflächen in Berlin geführt hat.
Diese Orte wurden zumeist erst in den letzten Jahren von engagierten Bürger*innen als geschichtlich belastet öffentlich gemacht.
In engagierten Redebeiträge an allen angefahrenen Orten haben wir über die jeweiligen Hintergründe aufgeklärt, über die sonst in der Mainstram-Presse nur sehr einseitig berichtet wird. Für zwei Flächen — Tempelhofer Feld und Dragonerareal — haben wir zudem über die von der Verwaltung dort initiierten sogenannten Partizipationsverfahren informiert, die mehr geeignet sind, den Bürger*innen Sand in die Augen zu streuen, als tatsächlich ein umfassendes Mitspracherecht auf Augenhöhe zu gewährleisten.


Der Kampf um wirkliche Mitbestimmung, gegen Privatisierung, Wohnraumvernichtung, spekulativen Leerstand und die stille Entsorgung von Geschichte hat gerade erst begonnen!

 Netzwerk Zwangsarbeit in der Tempelhofer Vorstadt
<Gedenkort Fontanepromenade 15> e.V.


Video der Veranstaltung 26.01.2019: Gedenkpolitik — ja! Investorenpolitik — nein Danke!

Was hat Stadtentwicklung mit Gedenkpolitik zu tun?

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                                                                                                                 Foto: Frank Koppenschläger

hier der Link zum Anschauen, Nachhören

einige Texte als PDF zum Nachlesen der Gedenkveranstaltung:

Sa 26.01. um 12 Uhr Kundgebung und Gedenken vor der ehemaligen „Dienststelle für Juden beim Berliner Arbeitsamt“ anlässlich des Gedenktags für die Opfer des Nationalsozialismus

Bild Fontanepromenade

 
“…dass dieses Gebäude eine Nutzung erfährt, die seiner historischen Bedeutung gerecht wird.“
Offener Brief  Inge Deutschkron, 29.12.2016

Trotz jahrelangen öffentlichen Diskurses und der eindringlichen Mahnung von stadtpolitischen Initiativen und jüdischen Betroffenen der NS-Verfolgungs-und Vernichtungspolitik lassen die Senatsverwaltung für Kultur und Europa, der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg und die Stiftung Topographie des Terrors die spekulative Verwertung von historisch und gedenkpolitisch bedeutsamen Immobilien und Grundstücken in Kreuzberg auch im Jahre 2019 unvermindert weiterhin zu.
Geschichtspolitischer Kalender — Fontanepromenade 15

In loser Folge wird der zeitliche Aktionsrahmen von November 2016 bis heute, 14.12.2018, erzählt.

Zwei Jahre zuvor — die Berliner Wahlen waren gerade abgehalten, die Regierenden in Land und in den Bezirken noch nicht in Amt und Würden — machte sich in Kreuzberg eine Stadtteilinitiative auf den Weg die Geschichte des Spekulationsobjekt Fontanepromande15 aufzuzeigen.

Schickaneprommenade ab 1938
Die „Zentrale Dienststelle für Juden“ war eingerichtet an der Schnittstelle zwischen Zwangsarbeit und Vernichtung für Jüdinnen und Juden und die auf Grund ihrer Zuschreibung der Nazis als jüdisch galten. Sie mussten sich melden und wurden „zum geschlossenen Arbeitseinsatz" ab 1938 bis 1945 verpflichtet.
Der Ort war die Fontanepromenade 15 in Kreuzberg — nahe der heutigen U-Bahn Südstern.
Seit 1931 wurde das Arbeitsamt Berlin-Süd und ab Ende 1938 als Zentraler Dienst für Juden des Berliner Arbeitsamtes der "geschlossene Arbeitseinsatz" organisiert.

Mit dem Datum 14. Dezember 2017 verbindet sich der Beschluss des Berliner Abgeordnetenhauses und einen Haushaltstitel für den „Gedenkort Fontanepromande15“ für 2018/2019 wo 50 000 Euro jeweils für die beiden Jahre eingestellt worden waren. Die politsche Arbeit und das umfassende Konzept des mittlerweile gegründenten Vereins "Gedenkort Fontanepromenade 15 e.V." überzeugte die Regierungsfraktionen im Abgeordnetenhaus im Sommer 2017.

Wie alles anfing „Sofortiger Baustopp“

Die Fontanepromenade 15

Von der Genossenschaft über das Naziamt zum Start-Up

Bei sommerlichem Wetter spendet eine Reihe alter Platanen Spaziergängern Schatten, die Straße erinnert an die Alleen in der Mark Brandenburg, durch die der Schriftsteller Theodor Fontane so gerne wanderte. Fünf Jahre nach seinem Ableben erhielt das Sträßchen mit der Nummer 13 des Hobrechtschen Bebauungsplanes seinen Namen: Fontanepromenade.
Während auf der östlichen Seite der Promenade hohe und herrschaftliche Mietshäuser die Straße flankieren, erfreut sich die gegenüberliegende Seite, wo zu Fontanes Zeiten noch die Soldaten des Kaiser-Franz-Garde-Grenadier-Regiments ihre Quartiere hatten, bis heute einer eher sonnigen und lockeren Bebauung mit Vorgärten, Sportstätten und Spielhöfen zweier Schulen und einer Kita.
An jener Stelle, wo die Freiligrathstraße auf die Promenade trifft, steht ein von der Zeit scheinbar vergessenes einstöckiges Landhaus mit Fensterläden und Stuck an Türen und Fenstern, das ohne weiteres auch an einer der vielen Allee in der Mark stehen könnte: die Fontanepromenade Nummer 15.
(Staatliche) Kohle und andere Begehrlichkeiten

Ein Abriss der Schmierenkomödie vorerst letzter Teil um einen Gedenkort Fontanepromenade 15 in Berlin-Kreuzberg

Nachdem die durchaus erfolgversprechenden Gespräche des Vereins <Gedenkort Fontanepromenade 15> e.V. mit dem privaten Investor im zurückliegenden Jahr 2017 über den Betrieb eines öffentlichen Gedenkorts in einem Teil der denkmalgeschützten Immobilie Fontanepromenade 15 — im deutschen Faschismus die ehemalige „Dienststelle für Juden beim Berliner Arbeitsamt“, das zentrale Berliner Zwangsarbeitsamt — dem Verein nach erfolgreicher Durchsetzung eines Haushaltstitels im Dezember 2017 von  einer heiligen Allianz aus Gedenkindustrie, Landes- und Bezirkspolitik (Topographie des Terrors, Senatsverwaltung Kultur und Europa, Kulturamt Kreuzberg-Friedrichshain) in den ersten vier Monaten des Jahres 2018 aus der Hand geschlagen und an die Wand gefahren wurden (s. Presseerklärung des Vereins vom 08.05.2018), geht es nun anscheinend um die Verteilung des Skalps in Form der ausschließlich durch die konzeptionelle und organisatorische Vorarbeit des Vereins im Doppelhaushalt 2018/19 eingestellten Mittel für eine pädagogische Bildungsarbeit zum Gedenkort.
Gedenken ohne Domizil

Initiative „Fontanepromenade 15 e.V.“ setzt sich weiter für einen Gedenkort ein

Der Schwamm im Gebäude ist zwischenzeitlich beseitigt. Die beiden Büros sind seit Mitte Mai gewerblich an ein Start-Up-Unternehmen vermietet. Die Initiative Gedenkort Fontanepromenade 15 e.V. ist seit 6 Monaten ohne Domizil.

Was ist passiert? Die Baufertigstellung verzögerte. Im August 2017 erfolgte ein schriftliches Mietangebot des Eigentümers an den Verein, das zuletzt Anfang Dezember 2017 nochmals bestätigt wurde. Kurz vor Weihnachten teilten die Eigentümer mit, dass sie ab jetzt nur noch mit Herrn Andreas Nachama, dem Direktor der Stiftung der „Topographie des Terrors“ direkt verhandeln.
Pressemitteilung 08.05.2018 von <Gedenkort Fontanepromenade 15> e.V.

„…dass dieses Gebäude eine Nutzung erfährt, die seiner historischen Bedeutung gerecht wird.“ Inge Deutschkron

Fontanepromenade 15


Mit Verwunderung nimmt der Vorstand des Vereins <Gedenkort Fontanepromenade 15> e.V. eine Pressemitteilung der Senatskulturverwaltung „Markierung Fontanepromenade 15 ist öffentliche Aufgabe“ vom 03.05.2018 zur Kenntnis.
Hierzu erklärt der Vorstand des Vereins <Fontanepromenade 15> e.V.: „Im Juni 2017 stellte der Verein ein pädagogisch-wissenschaftliches Konzept für den Gedenkort Fontanepromenade 15 in 10967 Berlin-Kreuzberg Öffentlichkeit, Politik und Landesregierung vor.
Geschichtsort Fontanepromenade 15 ade? — Versuch einer Schadens-/Sachstandsmeldung

Schwamm drin oder Schwamm drüber? … war im Februar 2017 zum damaligen Sachstand Gedenkort Fontanepromenade 15 in Kreuzberg ein Artikel überschrieben. Beides trifft bis heute zu. Die Wirren um den Gedenkort Fontanepromenade 15 rissen nicht ab.

Im Juni 2017 wurde über die Finanzierungsfrage und über die öffentliche Vorstellung des umfassenden pädagogischen, künstlerischen und wissenschaftlichen Gedenkortkonzeptes berichtet.
Im Januar 2018, anlässlich des Internationalen Holocaust-Gedenktages wurde über die erwartete Aufnahme der Gedenkarbeit am authentischen Ort mit einem Liedprogramm von vertonter Lyrik jüdischer Autoren, die soweit sie nicht emigrieren konnten, jüdische Zwangsarbeitende waren, berichtet.
Pressemitteilung 21.04.2018: Gedenkort Fontanepromenade 15 ohne Obdach

Kulturverwaltung des Berliner Senats hat die Chance verpatzt, einen Gedenkort in der Fontanepromenade zu etablieren


Vier Monate, seit Mitte Dezember 2017, haben die Stiftung Topographie des Terrors und die Senatskulturverwaltung mit den Eigentümern der Fontanepromenade 15 verhandelt. Das Ergebnis ist bescheiden:
Erstens haben die Verhandlungspartner herausgefunden, daß ein Mietvertrag mit dem Verein Gedenkort Fontanepromenade 15 e.V. nicht gewünscht ist. Dazu erklärt der Verein: Für diese Einsicht hätten nicht vier Monate verstreichen müssen. Denn es war die Kulturverwaltung, die Mitte Dezember 2017 den Eigentümer zum Wechsel des Verhandlungspartners verleitet hat, und zwar mit der für den Eigentümer attraktiven Aussicht, trotz seiner öffentlichen Zusagen an die Initiative und den Verein, sich auf weniger als den von der Initiative konzipierten und vom Abgeordnetenhaus befürworteten Gedenkort einlassen zu müssen.
Obdachloser Gedenkort Fontanepromenade 15!

Erinnern und Gedenken an jüdische Zwangsarbeit in Kreuzberg — keine Sache von Investoren?

14 04 2018 Fontane


Mit Erstaunen hat der Verein <Gedenkort Fontanepromenade 15> den vermeintlichen Rückzug des Eigentümers, seiner Zusage vom Januar 2017 auf die Vermietung von Büroräumen, zur Kenntnis genommen.

Obdachloser Gedenkort!
Die denkmalgeschützten Immobilie in der Fontanepromenade 15 droht so sein Asyl zum Betreiben der gedenkpolitischen Informationsstelle an dem historischen Ort zu verlieren.
Das Haus Fontanepromenade 15 war während der NS-Zeit zwischen 1938 bis 1945 die „Dienststelle für Juden beim Berliner Arbeitsamt“.
Von hier aus sandte die Berliner Arbeitsverwaltung mehr als 25.000 Berliner Jüdinnen und Juden zu schwerster Zwangsarbeit in kriegswichtige Betriebe zum „Geschlossenen Arbeitseinsatz“.