Fotos von der Begehung des leerstehenden L-förmigen Gebäudes auf dem sog. Dragoner Areal am Dienstag 25.07.2017



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schriftliche Fassung des Redebeitrages der Initiative DragoAreal für den Stadtteil und die Stadt

bei der Auftaktveranstaltung am 18.07.2017 zum Sanierungsgebiet "Rathausblock"

Von Beginn des Kampfes an gegen die Privatisierung des sog. Dragoner Areals, d.h. den Verkauf des Geländes durch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) an private Investoren, wurde von der Nachbarschaft, von politischen Initiativen und Gruppen die Forderung nach einem „Treffpunkt“ auf dem Gelände erhoben. Die Vorstellung dabei war, dass ein Ort geschaffen wird für soziale, kulturelle und politische Veranstaltungen, ein nicht-kommerzieller Treffpunkt in Selbstverwaltung, ein Ort des Austausches und der Vernetzung von Menschen unterschiedlicher Herkunft und Lebenslagen und schließlich, eine Ideenschmiede für ein „Modellprojekt Dragoner-Areal“.

Spätestens seit der großen Mietenstopp-Demonstration „Jetzt reichts! Gegen Mieterhöhung, Verdrängung und Armut“ vor der Landtagswahl 2011, gibt es im Stadtteil die Form organisierter Mieter_inneninitiativen. Seit 2013/2014 wurde zum sog. Dragoner Areal mobilisiert, Stadtteilversammlungen organisiert, Geländebegehungen durchgeführt und Aktionen auf dem Gelände koordiniert. Ziel der Initiativen und Bündnisse war es, dass die Nachbar_innen und Anwohner_innen sich mit den derzeitigen Gewerbenutzer_innen auf dem Gelände zusammenschließen, die Geschichte des Areals bekannt gemacht wird und die Privatisierung des Geländes verhindert wird.

Die Initiative DragoAreal für den Stadtteil und die Stadt ist hervorgegangen aus der gemeinsamen Arbeitsgruppe „Aneignung“ der Initiativen, die seit mehreren Jahren am und auf dem sog. Dragoner Areal arbeiten, und die sich auf Kooperation und mehrmalige Vernetzungstreffen im Jahr verständigt haben.

Anfang des Jahres 2017 ist die Initiative DragoAreal für den Stadtteil und die Stadt mit ihren Forderungen erstmals an die Öffentlichkeit getreten.

Unser Ziel ist es einen Entscheidungsprozess mitzuorganiseren, damit Nutzer_innen, Anwohner_innen und die Leute im Stadtteil die Menschen vor Ort, die für eine andere Stadtentwicklung einstehen auch tatsächlich die Möglichkeit haben ihre Vorstellungen  zu verwirklichen. Grundlegend dafür finden wir, dass die Diskussion und die Planungen über die Zukunft des sog. Dragoner Areals auf eine breitere Basis über die aktiven  Initiativen hinaus gestellt werden müssen. Unsere Vorstellung eines basisorientierten Ansatzes von Planung und Entwicklung bezieht bewusst die Bedürfnisse der Menschen vor Ort und von Bedarfsgruppen aus dem Stadtviertel und der gesamten Stadt mit ein.

Die Diskussion darüber haben wir in den letzten Monaten noch einmal vorangetrieben und mehrere Versammlungen und Geländebegehungen organisiert. Dabei wurde die Notwenigkeit eines Moratoriums für die „Entwicklung“ des Geländes, damit ein selbstbestimmter Prozess von Unten erst einmal initiiert werden kann, überdeutlich. Gleichzeitig haben wir gemeinsam die Idee eines „Buntes Hauses“ gekoppelt mit einem Kiezraum diskutiert und wie die nun schon mehrere Jahre leerstehenden und großteils unter Denkmalschutz stehenden Gebäude und Räume auf dem Gelände für nachbarschaftliche, kulturelle, soziale und politische Zwecke genutzt werden können ab sofort.

Der Begriff „Buntes Haus“ und die dem zugrundeliegenden Ideen nicht kommerzielle, selbstbestimmte, kommunale Stadt-, Nachbarschafts- und Kulturräume entstand schon im Spätsommer 2015 während einer Zukunftswerkstatt zum sog. Dragoner Areal, die von der Nachbarschaftsinitiative „Dragopolis“ organisiert und durchgeführt wurde. Mit „der Zukunftswerkstatt“ teilen wir den politischen und organisatorischen Ansatz, dass nicht Initiativen und sog. Expert_innen entscheiden soll, wie das Gelände nach der Kommunalisierung gestaltet wird, sondern die Menschen vor Ort und aus der Stadt von Unten. Darin liegt das zukünftige des Geländes.

Das „Bunte Haus“ bezeichnet also die mögliche vielfältige Nutzung der leerstehenden Räumlichkeiten und Flächen auf dem sog. Dragoner Areal zum Beispiel für ein Stadtteilkino, Aufführungsraum, Proberaum, Sozialberatung, Sprachunterricht, Café, Tausch-/Umsonstladen, Geschichtsort Januaraufstand, Gemeinschaftsgarten und anderes mehr. Das „Bunte Haus“ wird getragen und gestaltet von sozialen Gruppen die aktuell Raumbedarf haben, von den Anwohner_innen, Nachbar_innen und jetzigen gewerblichen Nutzer_innen, von Bedarfsgruppen, kulturellen und sozialen Vereinen, von Vorsorge- und Sorgeleistenden, von Aktiven und Nicht-Aktiven ...

Das „Bunte Haus“ steht allen offen. Die Räume und Orte sind notwendig für eine vielfältige Vernetzung, für Proteste und Widerstand die Normen und Vorschriften (Eigentumszwang) unterlaufen, neue Proteste organisieren und an alternativen Existenzformen festhalten.

Das „Bunte Haus“ steht auch für den gesellschaftlichen Aneignungsprozess und die Vorstellung, dass auf dem Gelände ein Gegenpol zum stadtpolitischen Mainstream entsteht.

Für eine selbstbestimmte Entwicklung des Areals ohne private Eigentumsbildung kommunal und selbstverwaltet. Dafür braucht es ein „Buntes Haus“, ein Nachbarschafts-, Stadt- und Kulturhaus für unkommerzielle kulturelle, soziale und politische Angebote und Aktivitäten. Auf dem „Dragoner Areal“ gibt es dafür eine Vielzahl von seit Jahren leerstehenden Gebäuden und Räumen.
schriftliche Fassung des Redebeitrages der Stadtteilinitiative WEM GEHÖRT KREUZBERG

 bei der Auftaktveranstaltung der vom Land Berlin beauftragten Firma S.T.E.R.N GmbH für das Sanierungsgebiet „Rathausblock“, in dem auch das sog. Dragoner Areal liegt, vom 18.07.2017

Wir, die Stadtteilinitiative WEM GEHÖRT KREUZBERG, sind in Kreuzberg 61, aber auch stadtweit seit Jahren aktiv gegen steigende Mieten, Verdrängung und Vertreibung von Mieter*innen.

Seit Jahren kämpfen wir auch dafür, dass das sog. Dragoner Areal dem Spekulationsmarkt entzogen wird und dass es eine gesellschaftliche Entwicklung für das Areal gibt, die von Nachbar*innen, jetzigen Nutzer*innen und stadtpolitischen Initiativen getragen wird. Dazu gehört auch, dass die Gewerbetreibende auf dem Areal dauerhaft abgesichert werden.

Wir begrüßen es, dass die Privatisierung des Areals nun endlich offenbar gestoppt ist und dass das Areal, wie vom Land Berlin formuliert, gemeinwohlorientiert entwickelt werden soll und dass eine Bürger*innenbeteiligung angestrebt wird.

Aber wir bleiben skeptisch: Wie soll dieser Beteiligungsprozess aussehen, soll es tatsächlich mehr sein als nur eine Alibi-Veranstaltung?

Wir sehen die Auseinandersetzung um das sog. Dragoner Areal im Kontext der Entwicklung unseres Stadtteils und unserer Stadt.

Jahrelang hat die Politik die Wohnungsfrage und den Wohnungsmarkt der kapitalistischen Verwertungsindustrie in die Hände gelegt — sowohl auf Bundes-, als auch auf Landes- und Bezirksebene.

Seit Jahren werden mietenpolitische Instrumente hochgehalten:
Mietpreisbremse, Mietspiegel, Umwandlungsverordnung, Zweckentfremdungsverbotsverordnung, Milieuschutzgebiet, Erhaltungssatzung, Sanierungsgebiet, Bürgerbeteiligung – und mit welchem Ergebnis?

Die Mieten steigen weiter, die Umwandlungen von Miet- in Eigentumswohnungen nehmen weiter zu, die Verdrängung und Verwertung auf dem Mietwohnungsmarkt setzen sich ungebremst fort, Luxusneubau an jeder Ecke! Allein 2017 fallen 55.000 Sozialbindungen weg.

Bezahlbarer Wohnraum für die, die ihn jetzt brauchen, Räume für sozio-kulturelle Initiativen und kieznahes Kleingewerbe – Wo denn?
Am Gleisdreieck, auf dem Postscheckamt, bei der Genossenschaft Möckernkiez, in der Wartenburgstraße, in der Bautzener Straße, beim Roten Riegel an der Monumentenbrücke, in der Stresemannstraße, in der Schwiebusser Straße, auf dem Bockbrauerei-Gelände?
Hierbei handelt es sich nur um einige Beispiele für Neubauprojekte in unserer Nähe. Die Liste ist lang, für Kreuzberg und für die ganze Stadt. Überall entsteht (fast) nur unbezahlbarer Wohnraum, vorwiegend Eigentum. Die Stadtteile werden aufgewertet, Mieter*innen und Kleingewerbe werden verdrängt.


Wir wollen, dass das, was auf dem sog. Dragoner Areal entstehen soll, von Nachbar*innen, von stadtpolitischen Initiativen und den jetzigen Nutzer*innen geplant und entwickelt wird.

Dafür braucht es ein Moratorium, einen Aufschub irgendwelcher Planungen von Oben!

Wir brauchen Zeit und Räume, wo wir zusammen kommen und gemeinsam diskutieren können. Wir unterstützen die Forderung nach einem Nachbarschafts- und Kulturzentrum, einem BUNTEN HAUS auf dem Areal, in dem dieser Prozess stattfinden kann. Ob und in welchem Umfang Wohnraum — und zwar 100% bezahlbarer Wohnraum! — auf dem Areal entstehen soll, sollen diese Mitwirkenden eines auf den Stadtteil bezogenen Planungsprozesses entscheiden.

Darüber hinaus fordern wir umgehend die Nutzung weiterer leerstehender Räumlichkeiten für sozio-kulturelle Initiativen und unkommerzielle Projekte.

Und zuletzt:
Das Land Berlin unterstützt — zumindest verbal — die Forderungen der Initiativen nach Räumen auf dem Areal. Aber wir bleiben skeptisch: Gerade einmal drei Wochen ist es her, dass der Kiezladen Friedel54 in Neukölln von der Polizei recht brutal geräumt wurde: ein aktiver Beitrag des Landes Berlin, des Innensenators, den Nachbar*innen und Initiativen im Kiez Räume zu entziehen, damit eine unbekannte Investorenfirma aus Luxemburg ihre Renditen einfahren kann.

Wir fordern daher auch eine sofortige Rückgabe des geräumten Kiezladens Friedelstraße 54 an ihre Nutzer*innen!
Bausteine für das Konzept: Buntes Haus

Von Beginn des Kampfes an gegen den Verkauf des sog. Dragoner-Areals durch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) an private Investoren, wurde von politischen Initiativen und Gruppen die Forderung nach einem „Treffpunkt“ auf dem Gelände erhoben. Die Vorstellung dabei war, dass ein Ort zur Verfügung gestellt wird für politische und kulturelle Veranstaltungen und als Ideenschmiede für ein Modellprojekt "Dragoner-Areal".

Der Begriff „Buntes Haus“ als unkommerzielles, selbstbestimmtes, kommunales Stadt-, Nachbarschafts- und Kulturhaus entstand im Spätsommer 2015 während einer Zukunftswerkstatt zum sog. Dragoner-Areal. Der Ansatz der Werkstatt, dass nicht Initiativen und sog. Expert_innen entscheiden sollen, wie das Gelände nach der Kommunalisierung gestaltet wird, sondern die Menschen vor Ort und aus der Stadt von Unten sowie die dem „Bunten Haus“ zugrundeliegenden Ideen, wurden im Anschluss an die Zukunftswerkstatt auf Versammlungen und Vernetzungstreffen von einigen Initiativen aufgenommen.

Das „Bunte Haus“ bezeichnet die mögliche vielfältige Nutzung der leerstehenden Räumlichkeiten und Außenflächen auf dem sog. Dragoner-Areal als Stadtteilkino, Aufführungsraum, Proberäume, Sozialberatung, Sprachunterricht, Café, Tausch-/Umsonstladen, Geschichtsort Januaraufstand, Gemeinschaftsgarten und anderes mehr.

Das „Bunte Haus“ bezeichnet auch den gesellschaftlichen Aneignungsprozess und die Vorstellung, dass auf dem Gelände ein Gegenpol zum stadtpolitischen Mainstream entsteht. Die Räume und Orte sind notwendig für eine vielfältige Vernetzung, für Proteste und Widerstand die Normen und Vorschriften (Eigentumszwang) unterlaufen, neue Proteste organisieren und an alternativen Existenzformen festhalten.

Der basisorientierte Ansatz von Planung und Entwicklung bezieht bewusst die Bedürfnisse der Menschen vor Ort und von Bedarfsgruppen aus dem Stadtviertel und der gesamten Stadt mit ein.

Deshalb unsere Forderung nach der sofortigen Nutzungsmöglichkeit der leerstehenden Räumlichkeiten auf dem sog. Dragoner-Areal. Das „Bunte Haus“ wird getragen und gestaltet von sozialen Gruppen die aktuell Raumbedarf haben, von den Anwohnerinnen und Anwohnern, Nachbar_innen und jetzigen gewerblichen Nutzer_innen, von Bedarfsgruppen, kulturellen und sozialen Vereinen, von Vorsorge- und Sorgeleistenden, von Aktiven und Nicht-Aktiven ... Das „Bunte Haus“ steht allen offen. Mit der Forderung nach sofortiger Nutzung und Schlüsselübergabe verbunden ist die Forderung nach einem Moratorium für die Entwicklung des sog. Dragoner-Areals, damit ein selbstbestimmter Prozess von Unten erst einmal initiiert werden kann.

Wir wollen ein „Buntes Haus“, ein Nachbarschafts-, Stadt- und Kulturhaus für unkommerzielle kulturelle, soziale und politische Angebote und Aktivitäten. Dafür gibt es auf dem „Dragoner Areal“ eine Vielzahl von seit Jahren leerstehenden Gebäuden und Räumen.

Initiative DragoAreal
für den Stadtteil und die Stadt

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... Aufruf an Inis und Stadtteilinitiativen ... Lasst uns zusammenkommen!

Aufruf an Inis und Einzelpersonen
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Wie geht es weiter mit dem sogenannten Dragoner Areal?

Statement von WEM GEHÖRT KREUZBERG

Die Auseinandersetzungen um das Areal hinter dem Finanzamt, dem sogenannten Dragoner Areal, sind bekannt.
Der Versuch der Privatisierung des Geländes durch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) mit einem Verkauf an einen Privatinvestor scheint vorerst endgültig vom Tisch.
Der Ausverkauf eines weiteren öffentlichen Geländes wurde vorerst abgewendet.

Aber in der Öffentlichkeit wird lanciert:
Der Bund verschenkt das Dragoner Areal an das Land Berlin!
Das stimmt nicht!

Im sogenannten Hauptstadtvertrag verhandelt seit etlicher Zeit das Land Berlin mit dem Bund über den Verkauf 4 500 bundeseigener Wohnungen und mehrerer bundeseigener Grundstücke an das Land Berlin.
Endlich ist wohl in den Verhandlungen eine (nicht kostenlose Abgabe) des Areals an das Land mit eingebunden.
Und es ist wohl sicher, dass das Land Berlin das Areal übertragen bekommt.

Aber nichts ist umsonst! Obwohl öffentliches Gelände erst einmal in öffentlicher Hand bleibt!

Aus der Presse ist zu entnehmen, dass im Gegenzug das Land dem Bund Grundstücke im Wert von 190 Mio Euro übertragen wird. Ein Ergebnis der Verhandlungen des Hauptstadtvertrages.

Was im Einzelnen verhandelt wird und was wie für welchen Preis hin und her geschoben wird, was wie viel letztendlich kostet, erfährt die Öffentlichkeit nicht.

Wir fordern eine völlige Transparenz und Offenlegung der Verhandlungen und Ergebnisse des Hauptstadtvertrages!
Was kostet dem Land Berlin die Übertragung des Areals durch den Bund wirklich?
Wieder wird wohl mit Millionen der öffentlichen Hand ein Spekulationsprozess bedient.

Die neue Entwicklung bezüglich des sogen. Dragoner Areals ist auch im Zusammenhang mit der aktuellen Spekulation der Häuser des sogenannten NKZ am Kottbusser Tor zu sehen.
Mehr Infos dazu bei Kotti & Co

Auch dort kauft die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft GEWOBAG etwa 300 Wohnungen für über 56 Mio Euro.
Wohnungen die seit Jahren über verschiedene Abschreibungen längst von der öffentlichen Hand refinanziert wurden, werden zu Freuden privater Eigentümer nochmal zu dickem Betongold.
Wieder finanziert die öffentliche Hand Immobilienspekulation.

Die neue Landesregierung und auch etliche stadtpolitische Initiativen werten diese kostspieligen Deals als Erfolg gegen weitere steigenden Mieten und Verdrängung.
Sie sehen in dieser Politik eine Möglichkeit, dass preiswerter Wohnraum entstehen, bzw. erhalten wird.

Wirklich?

WEM GEHÖRT KREUZBERG    Mai 2017
Einladungsflyer 3 5 2017






















Flyer als pdf zum Verteilen, Weitergeben


Mi 19.04. um 19 Uhr Versammlung Das Dragoner Areal für unseren Stadtteil

Flyer Bedarfsgruppen




























































































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So 09.04. um 14 Uhr Einladung zum Rundgang — mit Informationen und Diskussion — auf dem Dragonerareal

Liebe Nachbar*innen und Interessierte, wie wir am Mittwoch, den 29.03. bei der Nachbarschafts- und Stadtteilversammlung im Mehringhof besprochen haben, treffen wir uns am Sonntag, den 09.04., um 14 Uhr zu einem geführten Rundgang auf dem Dragoner Areal.
Wir werden vor Ort nochmals über die Situation auf dem Gelände (Gewerbe, Leerstand, Denkmalschutz, Stand Rekommunalisierung usf.) informieren und Eure Fragen beantworten.
Zudem wollen wir uns kennenlernen und unser weiteres Vorgehen für die Rekommunalisierung besprechen.
Auch wer am 29.03. keine Zeit hatte, aber Interesse hat sich zu informieren und/oder sich zu beteiligen, ist herzlich eingeladen.

Dauer: etwa 1 1/2 bis 2 Stunden

Treffpunkt: vor der LPG, Obentrautstr./Ecke Mehringdamm

Initiative Dragoner Areal für den Stadtteil und die Stadt
08.11.2016: Offener Brief an den Bundesminister der Finanzen Dr. Wolfgang Schäuble zur aktuellen Situation auf dem Dragonerareal


Sehr geehrter Herr Dr. Schäuble,

wir — die Mieter*Innen auf dem sogenannten Dragonerareal — wenden uns an Sie als Bundesminister der Finanzen mit dem dringenden Appell, das Ringen um das Grundstück im Herzen Berlin-Kreuzbergs zu beenden und das Gelände dem Land Berlin zu fairen Bedingungen zu überlassen.

Vor über einem Jahr, am 10. September 2015, ist durch die Ablehnung des Finanzausschusses des Bundesrats der Verkauf der bundeseigenen Liegenschaft an den privaten Investor Dragonerhöfe GmbH nicht zustande gekommen.
Damals ist uns Gewerbetreibenden auf dem Dragonerareal — nach langem Zittern — ein großer Stein vom Herzen gefallen. Auch die umliegenden Anwohner waren erleichtert, ebenso wie viele verschiedene Initiativen, die sich intensiv mit Stadtentwicklung und deren Folgen auseinandersetzen.
Die Berliner Politiker*Innen auf Bezirks- und Landesebene haben — parteiübergreifend — diese Entscheidung des Bundesrats begrüßt.

Denn uns allen war klar: Wenn der höchstbietende Investor das 4,7 Hektor große, teils mit denkmalgeschützten Gebäuden bebaute Gelände für 36 Millionen Euro kauft, wird er entweder teures Gewerbe ansiedeln oder hochpreisige Luxuswohnungen bauen. Ein privater Investor kann aus ökonomischer Sicht nicht anders handeln, er muss rekapitalisieren. Und insbesondere dieser Investor wird so handeln, da sich hinter dem Käufer — der Dragonerhöfe GmbH — ein global agierender Investmentfonds verbirgt, dessen Ziel überdurchschnittliche Renditen sind. Solche Renditen sind bei einem so hohen Kaufpreis nicht mit sozialverträglichen Bauvorhabenzu generieren.
Zudem hat sich aktuell am Fall des Berliner Stattbad Wedding gezeigt, dass auch Arne Piepgras, Strohmann und Anteilseigner der Dragonerhöfe GmbH, auf "maximum Profit" setzt. Piepgras hatte 2009 das ehemalige landeseigene Grundstück mit dem Stadtbad Wedding für 270.000 € vom damaligen Liegenschaftsfonds Berlin erworben und versprach, dort ein Kulturprojekt zu realisieren. Im April 2016 verkaufte Piepgras das Grundstück jedoch für über 5,3 Millionen € an eine Investorengruppe weiter, die dort nun hochpreisige Studentenappartments als Kapitalanlage errichten will.

Es ist also mehr als wahrscheinlich: Die Dragonerhöfe GmbH wird rücksichtslos ihre finanziellen Ziele verfolgen und nicht auf eine behutsame und für die Berliner Bevölkerung vernünftige und richtige Stadtentwicklungspolitik setzen.

Das Dragonerareal ist eingebunden in einen lebendigen Kiez. Wir dort ansässige Gewerbetreibende sind Teil des Kiezes. Täglich nutzen weit über 1.000 Kreuzberger*Innen das Areal - vom Lebensmitteleinkauf über Kulturveranstaltungen bis hin zur KFZ-Reparatur.
Wir sind kleine und größere Gewerbebetriebe, traditionelle Handwerksfirmen und Kulturschaffende, KFZ-Meister, Taxi-Unternehmer, ein Biosupermarkt und Getränkehändler. Wir sind Familienbetriebe und Einzelunternehmer*Innen. Teilweise sind wir hier bereits seit 40 Jahren. Wir alle sind Bestandteil einer über viele Jahre gewachsenen Struktur. Wir Gewerbetreibende, Handwerk wie Kulturbetriebe, tragen zur urbanen Mischung und Vielfalt bei und sichern so dringend benötigte Arbeitsplätze.
Und wir haben auf dem Dragonerareal außerdem Platz für genau die Art von Wohnungen, die dieser Kiez und Berlin dringend benötigen. Wohnungen, die zur Kiezkultur passen — für Menschen, die in Kreuzberg arbeiten und in Kreuzberg wohnen wollen. Bezahlbare Wohnungen.

Im Juli dieses Jahres wurde der Rathausblock, auf dem sich das Dragonerareal befindet, zum umfassenden Sanierungsgebiet erklärt, denn in den Vorbereitenden Untersuchungen dazu wurden u.a. Mängel bezüglich der innerstädtischen Wohn- und Arbeitsbedingungen festgestellt.
Diese Mängel sind tagtäglich in Berlin sichtbar. Immer mehr Menschen sind nach aufwendigen und unnötigen Sanierungen gezwungen, aus ihren Wohnungen auszuziehen, da sie sich die überhöhten Mieten nicht leisten können. Viele Neuberliner*Innen mit geringen oder mittleren Einkommen finden erst gar keine Wohnungen im Zentrum. Soziale Träger müssen ihre Domizile aufgeben und mit teils pflegebedürftigen, alteineingesessenen Berliner*Innen an den Stadtrand umziehen.
Es ist mehr als deutlich: Der Mietwohnungsmarkt in Berlin ist stark angespannt; der Sozialwohnungsbestand reduziert sich, während gleichzeitig die Mieten auf dem allgemeinen Wohnungsmarkt rapide ansteigen. Hinzu kommt der Verlust von Mietwohnungen durch Umwandlung in Wohneigentum.
Davon sind auch wir Gewerbetreibende betroffen. Mietverträge werden entweder nicht verlängert oder aber die Mieten steigen so rasant, dass sie durch die Betriebe nicht mehr erwirtschaftet werden können.
Die Berliner Innenstadt bietet schon jetzt keine Ausweich- bzw. Umzugsmöglichkeiten mehr. Das Gewerbe wird so zwangläufig in die Außenbezirke verdrängt - oder aber muss ganz aufgeben. Immer mehr kleinere Händler und Betriebe verschwinden so aus dem Stadtbild.

Es fehlen bereits jetzt — und in wenigen Jahren noch mehr — Wohnungen und Gewerbeflächen mit bezahlbaren Mieten für Berliner*Innen.

Es gilt, den innerstädtischen Verdrängungsprozess einkommensschwacher Haushalte sowie kleinerer und mittlerer Gewerbetreibender aufzuhalten und die zunehmende Immobilienspekulation einzudämmen.
Gerade das Dragonerareal bietet die Möglichkeit, wirtschaftliche, soziale und stadtentwicklungspolitische Ziele in Einklang zu bringen. Leistbar ist das aber nur, wenn das Gelände statt an einen privaten Investor mit persönlichen Interessen an das Land Berlin übergeht, denn nur dann kann sichergestellt werden, dass die für Kreuzberg so typische liebens- und lebenswerte Mischung aus Wohnen, Kultur und Gewerbe erhalten bleibt.

Die Übergabe des Dragonerareals an das Land Berlin sichert den Erhalt von traditionellem Handwerk, Kultur und Familienbetrieben, schafft zusätzlichen Wohnraum, den auch Berliner*Innen bezahlen können und erhält Freiräume, von denen alle Bürger*Innen profitieren. Nur das Land Berlin kann und wird eine
Stabilisierung und Weiterentwicklung der vorhandenen Gebietsstruktur umsetzen.

Es klingt ungewöhnlich, aber die betroffenen Gewerbetreibenden und Anwohner, Initiativen, Berliner Bezirks- und Landespolitiker*Innen sind sich parteiübergreifend ausnahmsweise einmal alle einig: Die Weiterentwicklung des Dragonerareals muss aus öffentlicher Hand geschehen!

Wir bitten Sie, den Prozess zu einer für Berlin guten Entwicklung des Dragonerareals wieder in Gang zu bringen. Ein Jahr Stillstand und Perspektivlosigkeit ist nicht nur für uns Gewerbetreibende ein unhaltbarer Zustand. Wir Gewerbetreibende brauchen Planungssicherheit, um investieren zu können. Auch Ausbildungplätze gehen verloren, da unsere Zukunft ungewiss ist.
Die wachsende Stadt Berlin braucht dringend bezahlbaren Wohn- und Gewerberaum.
Die Dragonerhöfe GmbH wird weder das ansässige Gewerbe erhalten können, noch den dringend bezahlbaren Wohnraum schaffen. Das Land Berlin verpflichtet sich zu beidem!
Es liegt an Ihnen, den Weg dafür freizumachen, ein Stück Gegenwart mit einer für Berlin guten Zukunft zu verknüpfen.

Wir Gewerbetreibende laden Sie gern ein zu einem persönlichen Gespräch auf dem Dragonerareal.
Wir würden uns freuen, Ihnen das Gelände aus unserer Perspektive zeigen zu können.

Mit freundlichen Grüßen
Pamela Schobeß
für die Gewerbetreibenden des Dragonerareals

Dieses Anliegen der Gewerbetreibenden wird unterstützt von Parteien, Personen, Initiativen und Gewerbetreibende in alphabetischer Reihenfolge

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

• Monika Herrmann (Bezirksbürgermeisterin Friedrichshain-Kreuzberg; Bündnis 90/Die Grünen)

• Chris Kühn (MdB; Sprecher für Bau- und Wohnungspolitik; Landesvorsitzender des Landesverbands Baden-Württemberg Bündnis 90/Die Grünen)

• Hans Panhoff (Bezirksstadtrat für Planen, Bauen und Umwelt Friedrichshain-Kreuzberg; Bündnis 90/Die Grünen)

• Lisa Paus (MdB; Steuerpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen)

• Katrin Schmidberger (MdA; Sprecherin für Mieten und soziale Stadt sowie Sprecherin für Clubkultur; Direktkanditatin für Kreuzberg 61; Bündnis 90/Die Grünen Berlin)

• Franz Schulz (ehemaliger Bezirksbürgermeister des Berliner Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg; Bündnis 90/Die Grünen)

CDU

• Hildegard Bentele (MdA; CDU-Fraktion)

• Danny Freymark (MdA; CDU-Fraktion)

• Oliver Friederici (MdA; CDU-Fraktion)

• Christian Goiny (MdA; CDU-Fraktion)

• Dr. Robbin Juhnke (MdA; CDU-Fraktion)

• Maik Penn (MdA; CDU-Fraktion)

LINKE

• Gregor Gysi (MdB; DIE LINKE)

• Caren Lay (MdB; stellvertretende Fraktions- und Parteivorsitzende sowie Sprecherin für Mieten-, Bau- und Wohnungspolitik; DIE LINKE)

• Klaus Lederer (MdA; Landesvorsitzender DIE LINKE Berlin)

• Katrin Lompscher (MdA; Sprecherin für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen und stellvertretende Fraktionsvorsitzende DIE LINKE Berlin)

• Pascal Meiser (Bezirksvorsitzender DIE LINKE Friedrichshain-Kreuzberg)

• Halina Wawzyniak (MdB; Wahlkreis Friedrichshain-Kreuzberg-PrenzlauerBerg (Ost); rechtspolitische Sprecherin DIE LINKE)

SPD

• John Dahl (Vorsitzender des Ausschusses für Stadtentwicklung sowie stellvertetender Vorsitzender der SPD-Fraktion in der BVV Friedrichshain-Kreuzberg von Berlin)

• Andreas Geisel (Senator für Stadtentwicklung und Umwelt; stellvertretender Landesvorsitzender der SPD Berlin)

• Dr. Eva Högl (MdB; stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion)

• Cansel Kiziltepe (MdB; Mitglied im Finanzausschuss sowie stellvertretende finanzpolitische Sprecherin der SPD- Bundestagsfraktion)

• Mark Rackles (stellvertretender Landesvorsitzender der SPD Berlin)

• Iris Spranger (MdA; stellvertretende Landesvorsitzende der SPD Berlin)


INITIATIVEN

• Berliner Hefte zu Geschichte und Gegenwart der Stadt

• Club Commission — Netzwerk für Berliner Clubkultur

• Club SO 36 Kreuzberg

• Haben und Brauchen

• Initiative Stadt Neudenken

• Initiative Stadt von Unten

• Interessengemeinschaft Großgörschen- & Katzlerstraße

• Kiezbündnis am Kreuzberg

• Kotti&Co  Mietergemeinschaft am Kottbusser Tor

• Kreuzberger Horn  Kiezzeitschrift für den Kiez zwischen Viktoriapark und Landwehrkanal

• Nachbarschaftsakademie  Offene Plattform für Wissensaustausch, kulturelle Praxis und Aktivismus zwischen Stadt und Land

• Nachbarschaftsinitiative Dragopolis

• Rat für die Künste

• Stadtteilinitiative WEM GEHÖRT KREUZBERG

• Upstall Kreuzberg e.V — Verein für soziale und nachhaltige Stadtentwicklung

• Veranstaltungsort Mensch Meier Berlin und Tatendrang e.V.

• Wir Bleiben alle!

DIE GEWERBETREIBENDEN AUF DEM DRAGONERAREAL SIND:

• Auto Klas (KFZ-Werkstatt)

• Auto Sun (KFZ-Werkstatt)

• Demircan Cash & Carry (Getränkemarkt)

• Gretchen (Club- und Kulturveranstaltungen)

• Ann-Kristin Hamm & Jens Ullrich (Künstler*Innen)

• Icon On Streets (Promotion Agentur)

• LPG (Biosupermarkt)

• Metropol (Taxibetrieb/-schule und -Werkstatt)

• S&K (KFZ-Werkstatt)

• Sanli (KFZ-Werkstatt)

• Surma (Polsterwerkstätten)

• T.R. (KFZ-Werkstatt)

• Tanzbar Miami (Diskothek)

• Türk Car (KFZ-Lackiererei)

• Wedig (Marmorwerk)

sowie viele Kleingewerbetreibende
Dragonale 17.07.2016

17 07 2016 04

17 07 2016 05


Die Dragonale fand zum ersten Mal statt und hatte ob dem Tempo der sich heranwälzenden Menschenmassen seine Pforten noch gar nicht geöffnet. In Anbetracht des unübersehbaren Demozuges (Anfang und Ende waren schon nicht mehr auszumachen) müssen die sich ob der Wartezeit verkleinernden Menschentrauben als ein Geschenk Gottes angesehen werden, da die versprengten Reste der Ausgezogenen mit dem Öffnen der weiten Tore nun eine Heimstatt fanden, die sie lange nicht mehr verlassen sollten.

17 07 2016 01

17 07 2016 03

Es gab Kaffee, wenn der Geduldsfaden belastbar genug war, Schnittchen, Live-Musik, beste Stimmung, genügend Regen, Sonnenschein zum nachmittäglichen Geländespiel, dann auch schon Alkohol, eine bunte Besuchermischung, von Nuri und Kalle bis zur Bezirksbürgermeisterin und Heino („ob falsch oder echt, in jedem Fall Hecht“), Interviews und Dokumentation und einen Haufen gutgelaunter Organisator_innen.

17 07 2016 07
17 07 2016 06

Resümée: Bei aller schalkhafter Übertreibung: der Tag konnte sich sehen

Fotos: kappa photo